TIFOLABART
DIE BÜHNE UNTER DUNKLEN NETZWERKEN
FANZINE15. MÄRZ 2026

DIE BÜHNE UNTER DUNKLEN NETZWERKEN

U
Written byUygar Şeren

Der Moment, in dem die Mitternachtslichter des San Siro erstrahlen, bleibt wie ein Traum in Erinnerung. Späte 1990er, frühe 2000er Jahre. Der italienische Fußball war ein System, das nicht nur auf Ball und Tor aufbaute, sondern auf einem gewaltigen Mythos, der im Schatten der Betontribünen geboren wurde. Der Rauch, der damals bei jedem Spiel aufstieg, war ein erstickender Brennstoff, der in schwarzen Papieren schmolz. Tausende von Verrückten, deren Augen leuchteten, wenn die Bengalos gezündet wurden, und die "Furia"-Rufe, die im Rhythmus dieser Szenerie widerhallten... Wenn man die Geschichte betrachtet, die genau in dieser Atmosphäre begann, muss man seine Aufmerksamkeit nicht nur auf das Spielfeld richten, sondern auch auf die Schatten der Tribünen, hinter die Hintertüren.

Der italienische Fußball wird seit den 1980er Jahren auf einer riesigen Bühne präsentiert; doch anstelle des rollenden Balls auf dem Spielfeld florierte in den dunklen Ecken der Stadien eine andere Wirtschaft. Es entstand eine komplexe Machtstruktur, die sich nicht auf dem Rasen unter den Füßen der Spieler bildete, sondern bis zu den Sicherheitstoren an den Stadioneingängen und den Menschen hinter diesen Toren reichte.

Wir sprechen über die blutige Beziehung, die unter diesen gelb-weißen Scherzen auf den Rängen liegt. Dieses Magazin verwandelt das Konzept der "Ultras" in eine Fantasie, die nicht nur eine Sucht, sondern auch ein manipulierter Verstand und ein dunkles Netzwerk ist.

Die Curva (Die Rückseite des Lastwagens) besteht nicht nur aus gewöhnlichen Sitzen in einem Stadion. Sie ist ein Spiegelbild der lokalen politischen Struktur Italiens. In dieser Struktur, die sich nach den Stadionrebellionen der 1960er Jahre entwickelte, wird der Fan nicht als "böse", sondern eher als der "Staat" betrachtet. Ultras-Gruppen (Die Gruppe) haben ihre eigene Hierarchie. Die Loyalität der Mitglieder ist so hoch, dass eine Person in einer Gruppe nicht nur sich selbst, sondern ihre gesamte Familie und Zukunft an den Sieg oder die Ehre dieses Vereins gebunden fühlt.

Allerdings schafft diese "Loyalität" manchmal einen sehr gefährlichen Boden. Innerhalb der Curva gibt es eine Führungshierarchie. Die Anführer definieren sich meist schon in jungen Jahren durch Entschlossenheit und physische Stärke. Die in diesem System widerhallenden Gesänge sollten nicht nur als Gesang, sondern als Befehlssignale gelesen werden.

"Wir sind für den Fußball hier, aber wo Geld fließt, sind wir auch", sagt ein anonymer Akteur, der sich selbst als "Gruppenmitglied" (Konstruiert - Italien) bezeichnet. Diese Aussage ist nicht nur eine Fantasie; sie erklärt, wie das System funktioniert.

Die Macht der Ultras-Gruppen in der Arena rührt nicht nur von ihrer Lautstärke her, sondern auch von ihrer physischen Dominanz im Stadion. In den nationalen und lokalen Ligen Italiens haben diese Gruppen manchmal die Kontrolle über die Ticketkontrollen. In Bereichen, die bei Ticketverkäufen ein Unfallrisiko bergen oder keine Sicherheitsrisiken aufweisen, agieren diese Gruppen nicht nur als "Sitzplätze", sondern als Handelszentrum.

Man kann es so erklären: Gruppenmitglieder, die an den Eingangstoren der Parks außerhalb des Stadions stehen, die Ticketpreise festlegen und diese Bereiche manchmal untereinander aufteilen, agieren unter dem Deckmantel eines "Beschützers" für andere Fans, die das Stadion betreten. Dieser Schutz wird jedoch manchmal selbst für das Sicherheitspersonal gefährlich.

Beispiel: Bei einem Vorfall am Eingang zum San Siro in Mailand im Jahr 2005 wurde beobachtet, wie ein Polizist, der für die Ticketkontrolle zuständig war, eine Gewalttat gegen ein Mitglied im "Korridor"-Bereich seiner eigenen Gruppe beging. Hier verwalten die Gruppen auch die kommerziellen Räume innerhalb des Stadions. Vom Verkauf von Werbeschildern bis hin zu Parkplätzen ist dieses System ein komplettes Geschäftsmodell.

Wir kommen zum kritischsten Punkt. Italiens Mafiastrukturen betreiben nicht nur Casinos und Geldwäsche; diese Gruppen sind in die Stadien eingedrungen. Strukturen wie "Cosa Nostra" (Sizilianische Mafia), "Camorra" (Region Neapel) und "'Ndrangheta" (Kalabrien) waschen Geld, indem sie den Fußballfanatikern Loyalität zeigen.

Der Mechanismus: Mitglieder von Ultras-Gruppen sind im Allgemeinen jung und haben ein geringes Einkommen. Indem sie also eine Finanztransaktion unter dem Namen "Opfergabe" oder "Schutz" erfinden, waschen sie Geld in die Sicherheitsbereiche außerhalb des Stadions.

In einem Forscherbericht heißt es: "Mitglieder der Camorra-Gruppe handeln für bestimmte Gruppen in Neapel. Es wird Geld eingenommen, um jeden, der ins Stadion geht, zu 'schützen'. Sie nennen dies 'Sicherheit', aber es ist eigentlich Schutzgelderpressung."

Dieser Schutz kann nicht nur die Sicherheit anderer Fans umfassen, sondern sogar das stadioneigene Sicherheitspersonal. Mit anderen Worten: Sogar Polizisten kann manchmal eine "Sicherheits"-Rolle zugewiesen werden, die diese Struktur unterstützt. Diese Situation wurde bei den Razzien in Neapel und Latium in den 2010er Jahren deutlich aufgedeckt.

14 Ansichten

Share

Kommentare (0)

Bitte melde dich an, um mitzudiskutieren.

Noch keine Kommentare. Sei der Erste !